Warum der Christopher Street Day so wichtig ist

Er ist mittlerweile in vielen Städten eine feste Einrichtung: Der Christopher Street Day. Heute ist es oft ein buntes Fest, bei dem Menschen aller geschlechtlicher Identitäten und Orientierungen meist mit Musik und Tanz in einem Umzug durch Städte ziehen. So sehr er allerdings eine Party ist, so viel Spaß die TeilnehmerInnen – übrigens längst nicht „nur“ Homsexuelle oder Non Binary-Personen und so weiter, sondern auch ganz „normale“ CIS-Menschen, die einfach nur dafür sind, dass jeder Mensch leben und lieben darf, wie es ihm oder ihr gefällt – dabei haben: Er ist und bleibt vor allem eines: Ein politisches Statement. Es geht darum, dass Menschen, die nicht dem gesellschaftlichen Idealbild entsprechen, die nicht nach dem 50er-Jahre-Mama-Papa-Kind-Modell leben oder leben wollen, oder das auch nur als Ideal ansehen, eben nicht nur sichtbar sein wollen – das ist der erste Schritt – nicht nur toleriert werden – das ist der Zweite -, sondern akzeptiert werden und eine gesellschaftliche Teilhabe erreichen wollen. Fernziel ist, dass jeder Mensch im jeweiligen Land, ja auf der ganzen Welt, so leben, die Person sein und die Person lieben darf, die er oder sie nun einmal ist oder liebt. Und dass es unter dem Strich völlig egal ist, ob sich jemand als Mann, als Frau oder was auch immer identifiziert. Am Ende ist das doch auch noch privater als Religion oder Einkommen! Viele Menschen, also nicht betroffene Menschen, sagen heute: Was wollt Ihr denn? Ihr dürft heiraten, Kinder adoptieren, Ihr habt doch volle Rechte. Nun, der CSD in Krefeld hat gezeigt, wie falsch diese Wahrnehmung ist. Nicht bei der Demo/dem Umzug selbst, da war so weit ich es beobachten konnte alles nett und positiv. Sogar die Reaktionen am Straßenrand waren in aller Regel tolerant bis positiv.

Wieder einmal: Social Media offenbart: Toleranz ist eine ganz dünne Schicht

Aber was im Internet hinterher abging zeigte ein ganz anderes Bild. Der von mir für die Rheinische Post geschriebene Artikel mit vielen bunten, schrillen Bildern, der dann von der RP Krefeld auf Facebook gesetzt wurde, zeigt in den Kommentarspalten, wie unfassbar viel Arbeit noch vor unserer Gesellschaft liegt, um wirklich weltoffen zu sein. Die Kommentare waren ein Panoptikum des 50er-Jahre-Denkens. Gepaart mit so ziemlich allen Vorurteilen, die unsere Welt so zu bieten hat. Der eine schreibt, Rom sei untergegangen, als jeder anfing, jeden zu bumsen – natürlich mit fragwürdiger Orthographie und Grammatik. Die nächste schrieb – zumindest scheinbar tolerant – man wisse ja, wie es da abgehe und müsse das halt hinnehmen. Aber mit ihren kleinen Kindern gehe sie an diesem Tag dann eben nicht in die Stadt. Der Dritte fordert in einer wahren Explosion des Whataboutsim, dass sich „die 1.500 Weltoffenen [die Teilnehmer an der Demo] doch auch bitte intensiv um unsere Mitmenschen am Theaterplatz, am KW-Museum und auf der König- und Hochstraße gekümmert“ haben sollten. Sprich: Sie sollen dann halt mal eben das Drogen- und Obdachlosenproblem Krefelds lösen, an dem die ganze Stadtverwaltung seit Jahren erfolglos arbeitet. Schließlich besteht ja ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einer freien Gesellschaft und Drogenproblemen. Fun-Fact: Nicht! Ein Krefelder Stadtrat kritisiert, der CSD könne „sich nicht entscheiden, ob er Demo oder Fetischfestival sein“ wolle und schreibt, es sei ihm schleierhaft, wie die RP das „Foto eines Typen im Köter-Fetischoutfit publizieren“ könne. [Ein Bild eines Mannes mit weitgehend freier Brust mit Lederriemen und einer Gummimaske, die einen Hund darstellt]. Der nächste kritisiert, er müsse kotzen, weil das intolerante und rückwärtsgewandte Lied „Layla“ auf den Wagen nicht gespielt werden sollte. (Er schreibt natürlich von „verbieten“). Gespielt wurde es dann in einer Bar am Zugweg umso lauter. Weitere Kommentare: „Unnötig“, „Kranke Welt *Kotzsmiley*“, „Braucht kein Mensch, schon gar nicht unsere Kinder“, „So peinlich war Krefeld noch nie“ und so weiter. Die Gegenrede ist zwar deutlich, aber zahlenmäßig doch unterrepräsentiert.

Gegen jede Realität!

Nun schauen wir uns mal die Situation an. Ein häufiger und immer wieder durchblickender Vorwurf, der ja gern gemacht wird: Unsere armen Kinder. Nun ist mir ehrlich gesagt sehr viel lieber, mein Zwei Jahre alter Sohn, sieht einen leicht bekleideten Mann mit einer Hunde-Gummimaske, der sich freundlich mit Anderen unterhält, als ein typisches Deutsches Ehepaar, das sich nach 30 Ehejahren eigentlich nur noch auf den Sack geht und auf der Straße angiftet. Die nackte Haut? Ach KOMMT schon. Ich gehe mit ihm ins Schwimmbad! Da gehen Männer im Tanga schwimmen und Frauen haben Bikinis an, deren Preis sicher nicht über die Quadratzentimeter Stoff bemessen wurde. Sonst ist die Firma nämlich pleite. Und nein, das ist auch nicht unbedingt abhängig vom Körpertyp. Auch gibt es im Schwimmbad durchaus Menschen unterschiedlicher Altersklassen, die sich intensiv küssen oder sonstwie Zärtlichkeiten zeigen. In besagter dürftiger Bekleidung. Warum also sollte das OK für sein Seelenheil sein, nicht aber, wenn sich zwei Männer oder Frauen auf einer Demo küssen? Weiterhin: Ich habe tatsächlich auf der Demo abgesehen von besagtem Mann mit der Maske eigentlich niemanden gesehen, der mehr Haut gezeigt hätte, als die Passanten auf der Hochstraße. Klar, es war heiß und entsprechend haben die Leute jetzt eher keine langen Mäntel getragen. Aber das wäre bei FFF, bei Friedensdemos oder von mir aus Querdenkerdemos oder so an diesem Tage nicht anders gewesen. Einziger Unterschied: die bunten Fahnen oder sonstigen Utensilien, die die Menschen zusätzlich trugen. Bunt mag mein Sohn übrigens. In der Tat habe ich auch keinerlei irgendwie gearteten sexuellen Handlungen, nicht einmal Küsse, zwischen zwei Männern oder zwei Frauen (bewusst) gesehen. Und mal ehrlich, die Schilder, meist auf Englisch, können die meisten Grundschüler schon nicht lesen. Geschweige denn verstehen. Welcher Achtjährige versteht die Ironie oder Aussage von „I can’t even think straight“, die Hintergründe von„Eat pussy – it’s vegan“ oder „Instead of meat I eat veggies and pussy“? Mein Sohn wächst zumindest teilweise bilingual auf. Aber seine Lesekompetenz ist altersgemäß eher mäßig und selbst wenn bezweifle ich, dass es ihn all zu viel Nachtschlaf kosten würde. Und wenn ich es ihm erklären würde, dann so, dass er damit wohl auch zurecht käme. Aber DAS wäre dann meine Veranstaltung. Was er sähe? Eine große Zahl freundlicher, fröhlicher Menschen mit bunten Kleidern, die Schildchen tragen. Ich denke, wenn er mal in Therapie käme wäre DAS (wenn er dabei gewesen wäre, aber an dem Tag war er bei der Mutter) eher nicht das zentrale Thema. Also fassen wir zusammen: Es gab keine irgendwie gearteten sexuellen Handlungen, es gab praktisch keine Kleidung, die so nicht auch in der Fußgängerzone zu sehen gewesen wäre und es gab keinerlei Aggressionen oder ähnliches. Wo ist das Problem? Oh und, GANZ wichtig noch: Beim CSD geht es NICHT um Homosexualität! Es geht um LGBTQ. Also ja, Lesbian (Lesbisch), Gay (Schwul) und Bi (Bisexuell) sind ein TEIL der Dinge, die angesprochen werden. Aber dabei sind auch noch T und Q, also Trans und Queer. Eigentlich gehört noch „+*“ dazu. Also: Alle Geschlechteridentitäten, trans- und intersexuelle Personen und alles, was es sonst noch gibt. Menschen, die (tatsächlich genetisch oder in ihrer physischen oder psychischen Entwicklung nunmal anders sind). Warum also sollte ihn das mehr verstören, als Menschen, die auf andere Art anders aussehen oder sind. Sei es dunkelhäutig, sei es rothaarig, sei es im Rollstuhl oder geistig behindert oder was auch immer? Und nein, ich will jetzt nicht Trans- oder Intersexualität als Behinderung bezeichnen. Ausdrücklich nicht. Es geht nur um die „verstörende Wirkung“, die es auf Kinder hat. Nämlich keine. Tertium Compartiones.

Herzliche Atmosphäre, Spaß und Liebe – bei aller Ernsthaftigkeit

Aber bleiben wir mal kurz bei der Vorstellung, ich hätte meinen Sohn dabei gehabt. Nun stellen wir uns vor, er ist einerseits dort dabei und danach bei einem Artikel über… Einkaufen bei Kerzenschein oder so, wo ich Passanten interviewe und gegebenenfalls fotografieren möchte. Bei letzterem (also egal jetzt, welche Veranstaltung. Kann auch ein Event auf Burg Linn sein, ein Straßenfest oder was auch immer) ist meine Erfahrung: Die Hälfte der Leute reagiert schroff und abweisend. Manche aggressiv und genervt, wenn man sie – sehr freundlich – anspricht. Einige schimpfen auf „Lügenpresse“ oder sonst wie. 30 Prozent wollen keinen Namen angeben und nur jede(r) Fünfte etwa ist freundlich, antwortet, wie das Event ihm oder ihr gefällt und wo sie her sind und so weiter – also meist „äußerst“ persönliche Fragen – und ist sogar mit einem Bild einverstanden. Beim CSD war es unglaublich! Ich habe noch nie (!!!) einen Artikel gehabt, bei dem JEDE(R) Angesprochene nicht nur Antwort gegeben hat, sondern sogar freundlich war, sich sogar gefreut hat („komm ich jetzt in die Zeitung?“), mir den Namen (ob der Sensibilität habe ich zugegeben nur nach Vornamen gefragt) gesagt hat und sogar frei heraus geantwortet hat, ob er oder sie (es waren weit mehr Frauen als Männer dabei. Bei sowas sind sie irgendwie offenbar mutiger und schneller bereit, an solchen Demos teilzunehmen) beispielsweise selbst homosexuell oder sonstwie „persönlich betroffen“ oder „nur“ eine unterstützende CIS-Person ist. Und jede(r) Einzelne war nicht nur zum Foto bereit sondern hat sich sogar gefreut. Abweisend war nur einer – ein Betreiber eines Geschäfts am Südwall, der meinte, ich solle ihm nicht die mit dem Unsinn die Zeit stehlen. Aber dafür kann die Demo ja nun nix.

Pinkeln und schlechte Erziehung

Bleibt der Vorwurf, es sei in Häusereingänge gepinkelt worden. Ich will nicht sagen, dass das nicht vorgekommen sei. Davon geh ich fast aus. Aber es war eine Demo bei über 30 Grad, bei der die Menschen viel trinken. Es gab auf der Wegstrecke wenig Toiletten. Natürlich ist das kein Grund, in einen Hauseingang zu pinkeln. Nicht missverstehen! Aber es macht zumindest etwas Verständnis für eine gewisse Not. Noch wichtiger aber: Bei keiner anderen Veranstaltung wäre es anders gewesen. Es gibt bei jeder größeren Gruppe von Menschen solche, die sich benehmen können und solche, die es nicht können. Und im Grundsatz ist das total unabhängig von politischer Überzeugung, Nationalität, Alter, sexueller Orientierung oder -Identität. Heißt: Klar ist das Verhalten an sich kritikwürdig. Aber kein Spezifikum von CSD. Wer das kritisiert, der muss im gleichen Atemzug auch Karneval, andere Demos von Links, Rechts, Mitte oder was auch immer, ob Friedensbewegung oder PEGIDA, ob FFF oder Corona-Demo, kritisieren. Zumindest, wenn ähnlich viele Leute mobilisiert werden und ähnliche Bedingungen herrschen. Es ist also ein böswilliges Schein-Argument.

Es ist halt doch Homophobie

Und so bleibt eigentlich nur die Schlussfolgerung: Die Reaktionen á la „was wollen sie denn noch“ oder schlimmer sind geradezu der Beweis, dass diese Demos wichtig sind. Auch und vielleicht sogar besonders heute. Denn in weiten Teilen der Bevölkerung ist die Ablehnung nicht geringer als vor 40 Jahren. Ich kenne viele Leute die oft negative Statements mit Formulierungen wie „das ist aber jetzt schon etwas schwul, oder?“ äußern. Oder sich besonders lustig finden, wenn sie jemanden als „Schwuchtel“ bezeichnen oder dergleichen. Oder halt als „Mannweib“ oder sich amüsieren dass ein Mann sehr feminin oder eine Frau eben maskulin rüber kommt. Natürlich IMMER, „ohne das jetzt böse zu meinen“. Und oft – und da will ich mich selbst gar nicht zu 100 Prozent ausnehmen – ist es auch einfach Gedankenlosigkeit. Wir sind halt noch mit solchen Aussagen aufgewachsen. Bei der Demo erzählte mir Emma Sillekens, Grüne Queer-Politikern, Grünen-Vorsitzende in Krefeld und Vorstand des CSD-Komitees, von einem Jugendlichen, mit dem sie kürzlich gesprochen habe: Ein 15 Jahre alter Trans-Mann, der ihr von Ausgrenzung, Mobbing und so weiter durch MitschülerInnen, LehrerInnen und so weiter erzählt habe, bei der sogar ihr anders geworden sei. „Ich selbst habe in meinem ganzen mittlerweile 56 Jahren dauernden Leben nicht ansatzweise so viel Ausgrenzung erlebt“, sagt die selbst offen lesbische Politikerin. Was die grüne Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer – eine Trans-Person – über sich ergehen lassen muss, ist auch übel. Das zeigt: Es ist unfassbar viel zu tun. Wir brauchen dringend eine Gesellschaft, in der sich Menschen, die für ihre sexuelle Identität und/oder Orientierung nuneinmal nichts können, ihr Leben ganz normal leben dürfen. Wo ist das Problem, ob der Mensch neben mir einen gleichgeschlechtlichen Partner küsst? Eifersucht auf das Glück? Darum muss ich es ja nicht tun. Und selbst wenn ich mal angesprochen werde: Es ist nichts, was Frauen nicht täglich erleben. Ich war auch schon auf nen Drink oder zwei im Jogis (einer vor allem von LGBTQ-Personen, überwiegend schwulen Männern, besuchten Bar in der Stadtmitte). Oft, weil meine Begleiterin mal einen Abend Ruhe vor Anmache haben wollte. Dann wurde ich jedes Mal mehrfach angesprochen und gefragt, ob ich nen Drink will. So what? Ich sage „nein“ und die Männer waren bislang noch jedes Mal deutlich verständnisvoller, als ein Großteil der CIS-Männer, die sich von ner Frau ne Abfuhr einfangen. Dann sag ich „sorry, bin hetero“. Und oft ist die Reaktion eher in Richtung „sorry, wollte Dich nicht beleidigen“. Dabei war es ja eigentlich ein Kompliment, dass man mich einfach attraktiv fand. So what?! Also nur weil andere Männer sich lieben muss doch ich nicht „meinen Arsch rasieren“. Absurd! Was ich damit sagen will: Wenn ich meinen Horizont erweitern will, dann rede ich ganz normal mit den Menschen. Genauso wie mit einem CIS-Mann oder einer CIS-Frau eben auch. Und wenn ich nicht will, dann geh ich einfach meiner Wege, grüße artig und fertig. Wo ist das Problem?

Ein kleiner Blick auf die Geschichte

Schauen wir kurz noch einmal in die Geschichte des CSD: Im Juni 1969 kam es in der Christopher Street in New York zu einer Polizeirazzia in der Stonewall Bar. Damals war Homosexualität noch strafbar und die Bar war ein bekannter Treff für die LGBTQ-Community, die sich damals vor allem durch schwule Männer repräsentierte (den Begriff LGBTQ gab es noch nicht). Entsprechend brutal war der Einsatz, wogegen die Community am nächsten Tag demonstrierte. Sie wollten einfach nur als Menschen mit Bürgerrechten behandelt werden. Nun, die Polizei reagierte eher bedingt verständnisvoll und löste auch diese Demo mit berittenen Kräften und Waffengewalt auf. Das führte zu tagelangen Ausschreitungen und offenen Straßenschlachten. Als Resultat gingen die Betroffenen im folgenden Jahr am letzten Samstag im Juni auf die Straße und demonstrierte für ihre Rechte. Die Demo wurde zur festen Einrichtung und wurde in immer mehr Städten auf der Welt, zunächst an der Westküste, zunehmend aber auch in Europa, aufgenommen. Es geht also im Ursprung um weit mehr als gesellschaftliche Teilhabe. Es ging um elementare Dinge wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder (physische) Freiheit. Historisch ist es also eine Demo gegen eine regelrechte Hexenjagd! Und auch wenn DAS in Deutschland und weiten Teilen Europas glücklicherweise nicht mehr in der Form der Fall ist: Es gibt weit mehr Menschen auf der Welt, die durch offene Homosexualität oder abweichende geschlechtliche Identität in Freiheit und Leben bedroht sind, als solche, die es einfach offen kommunizieren können. Und auch in Teilen des Südens der USA oder so würde ich es jetzt nicht unbedingt in die Zeitung setzen. Der Bible-Belt ist nicht unbedingt für Weltoffenheit bekannt…. Heißt: Die Demos sind nur zulässig, sondern sogar nötig und wichtig!

Bilanz: Kritik ist nichts anderes als albern

Was ich sagen will: Die Kritik an der Veranstaltung ist einfach lächerlich. Das höchste der Gefühle in einer Gesellschaft, die es mit Grundrechten und Menschenwürde einigermaßen Ernst nimmt, sollte ein Achselzucken sein. Kein einziger der Einwände hat auch nur die geringste Basis. Kinder werden durch zwei küssende Männer oder Frauen nur dann verstört, wenn die Eltern es ihnen einreden. Problem ist dann aber nicht die Homosexualität, sondern die mangelnde Weltoffenheit der Eltern. Der CSD ist eine tolle Sache und eine wunderbare, bereichernde und einfach schöne Veranstaltung. Und es war bisher einer der tollsten und angenehmsten Termine und Artikel, die ich bis heute in rund sechs Jahren, die ich den Job jetzt mache, hatte. Und ich muss sagen: Die Kommentare unter meinem Artikel machen mich einfach wütend. Aber da ich mir selbst zur Regel gemacht habe, unter den Artikeln nicht zu kommentieren, um auch nicht in den Verdacht zu geraten, nötige Neutralität vermissen zu lassen (Ausnahme sind Erläuterungen oder Klarstellungen von Formulierungen oder Missverständnissen), mache ich das jetzt hier. Darum hier ganz deutlich: Die Leute, die unter diesem Text in welcher Form auch immer negativ und abwertend kommentiert haben sind in meinen Augen ein Zeichen für sehr große Teile dessen, was in unserer Welt und Gesellschaft nicht stimmt. Menschen, die mit dem Kopf betonfest in den 50er Jahren verankert sind und für die jede Art von Veränderung, Erneuerung und Umdenken etwa so wünschenswert sind, wie ein Atomkrieg. Und auch ähnlich angstbehaftet. Dasselbe Denken sorgt für unsere Probleme im Klimaschutz, für Armut oder die Zustände in unseren Schlachthöfen. Nicht der CSD verkörpert die letzten Tage des Caligula. Ihr seid es, die mit mangelnder Reformbereitschaft im Geiste wie auch sonst eine Situation bedingen, die eher dem Untergang Roms gleicht. Kapitalkonzentration, gesellschaftliche Inbalance und Ressourcenübernutzung: Daran geht eine Gesellschaft zu Grunde. Sicher nicht weil Hans den Jürgen küsst oder Luise sich abends zu Tina legt, statt zu Peter… Und eins muss ich auch noch sagen: Leider sind meine Geschlechtsgenossen hier die unrühmliche Spitze. Je „männlicher“ eine Gruppierung ist, desto intensiver ist das leider. Nennt man dann „toxische Männlichkeit“. Auch die ist übrigens etwas, das weit eher zum Zusammenbruch unserer Gesellschaft führt, als Sexualpraktiken in einem beliebigen Schlafzimmer….

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