Macht der Memes – Mit Bildern und Emotionen lügen

Die Macht der Bilder. Seit Jahrzehnten kennen wir – gerade auch in den Medien – die alte Weisheit „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Sind es doch vor allem Bilder, die uns emotional packen. Bilder verfangen, transportieren Emotionen und sind scheinbar unbestechlich. Bei einer Information, einer Zahl, einem Faktum, ist der Content immer nur so gut und so vertrauenswürdig wie der, der die Daten erstellt oder gesammelt hat. Ein Bild aber ist unbestechlich und bildet die Realität ab – oder?! Nun, leider nicht immer. Bilder können irreführend sein, Bilder können einen falschen Größenzusammenhang liefern. Bilder können sogar lügen. Und das auf die verschiedensten Arten. Einerseits kann ich etwas riesengroß oder winzigklein aussehen lassen, indem ich es im richtigen Winkel und mit einem Bezugspunkt fotografiere, der in unserem Gehirn eine falsche Wahrnehmung der Größen verursacht. Bekannt ist hier zum Beispiel der „Ames-Raum“, bei dem die Wände und Decken aufeinander zulaufen, gleichzeitig aber mit der Flucht gespielt wird, so dass Objekte größer oder kleiner erscheinen, je nachdem, wo im Raum sie angeordnet sind. Ein Fotograf kann auch mit dem Ausschnitt spielen und so eine Scheinrealität erzeugen. Im Haus der Geschichte in Bonn gab es beispielsweise ein Bild unter dem Titel „X für U. Bilder, die lügen“. Dort sind drei Soldaten abgebildet. Einer, offensichtlich in anderer Uniform und gefangen, kniet in der Mitte und eine Waffe ist auf seinen Kopf gerichtet. Er ist offenkundig entkräftet und ein Soldat der gegnerischen Seite hält eine Wasserflasche an seinen Mund. Nun gibt es zwei Ausschnitte: In einem ist nur der Gefangene und die Waffe zu sehen – ohne den helfenden Soldat. Es wirkt bedrohlich, fast wie eine bevorstehende Hinrichtung. Im anderen nur der helfende Soldat mit dem Gefangenen – ganz ohne Waffe. Es wirkt wie eine rein selbstlose Hilfe für einen Wehrlosen. Alle drei Bilder sind echt – aber haben total unterschiedliche Aussagen.
Und dann gibt es natürlich noch etwas, das heute immer üblicher wird: Fake-Bilder. Entweder bearbeitet mit Photoshop oder ähnlichen Programmen oder ganz einfach aus dem Kontext gerissen. Bekannt sind zum Beispiel angebliche Bilder „Nach Fridays for Future-Demos“: Vermüllte Straßen, Tonnenweise Verpackungen und so weiter. Lange ist bekannt, dass diese eigentlich den Zustand nach einem Karnevalszug zeigen. Trotzdem prägen sie noch heute die Wahrnehmung der FFF-Generation als bigotte kleine Träumer, deren Aussagen nicht ernst zu nehmen seien, weil sie selbst dagegen handeln. Das klassische „die haben alle Handys, kauen bei Primark und werden mit dem SUV bis ins Klassenzimmer gefahren“, geht nicht zuletzt auf diese Kampagne zurück. Und auch im Klimaschutz erleben wir so etwas regelmäßig. Sehr gern bei der Windkraft.

Vogelschredder oder Betonwüsten – ganz nach Belieben

Aktuell zum Beispiel wird mir von einer Facebook-Freundin ein Bild angezeigt, das ich kurz darauf noch zwei weitere Male sah, und das den Sockel eines Windrades zeigt. Daneben steht ein Mann. Der wirkt neben dem gigantischen Betonsockel, der etwa die Grundfläche eines größeren Einfamilienhauses hat, klein. Der Text sagt dann, dass dieser Sockel für alle Zeiten in der Erde bleibe, auch wenn das Windrad längst keinen Strom mehr liefere. Quel domage! Wie kann man nur. Windkraft zerstört die Erde. Die kann dann nämlich – auch das wird geschrieben – kein Wasser mehr aufnehmen und überhaupt sei das für den Wald eine Katastrophe. Nun will ich hier keinen Whataboutism betreiben. Natürlich ist Flächenversieglung ein Problem. Immer! Und natürlich auch bei Windrädern oder bei PV-Flächen. Allerdings muss dieser Verbrauch dennoch in einen Kontext gesetzt werden. Nämlich zu den Versiegelungen, Umweltschäden und Verbräuchen, die dadurch verhindert werden. Und hier hat eben die Windkraft, ebenso wie PV, schon einmal einen ganz großen Vorteil: Sie lässt sich dezentral erzeugen. In der Theorie lässt sich neben jeden Wohnblock ein Windrad stellen, das dann die Energie für diesen Block erzeugt. Damit fiele dann beispielsweise, wenn wir in Bayern genug Windenergie erzeugen, die Notwendigkeit einer „Stromautobahn“ durch ganz Deutschland weg. Nun wird bei einer solchen Stromautobahn eine ganze Menge Bauarbeit geleistet. Über gut 1000 Kilometer müssen Hochspannungsmasten gebaut werden, oder es werden Kabel unterirdisch verlegt (und in Betonröhren sicher verwahrt). Dafür fällt schon viel Material, auch viel Flächenversiegelung an. Kupfer oder andere Leiter, Isolierung, Stahl, Beton… Die Liste ist gigantisch und der Aufwand groß. Und die Offshore-Windräder für die Erzeugung des so zu leitenden Stroms kommen noch hinzu. Heißt: Die Windenergie vor Ort ist die Abstand beste und kosteneffizienteste, aber auch die umweltschonendste Methode der Energieerzeugung. Insbesondere, wenn sie mit Photovoltaik kombiniert wird. Die Bilder getöteter Vögel sind dabei auch eher fragwürdig. Ja, Vögel sterben an Windanlagen. Aber hier müssen wir dann Kosten und Nutzen in Relation stellen.

Viel Nutzen bei überschaubaren Schäden

Und hier steht die Windkraft dann eben doch ziemlich gut da. Naturschützer schätzen die Zahl der von Windrädern getöteten Vögel in Deutschland auf rund 100.000 im Jahr. Das ist viel, keine Frage. Aber angesichts von rund 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland – statista weist 29.456 Onshore-Anlagen 2019 als neuesten Wert aus – ist das doch ein überschaubarer Wert. Pro Windrad sterben also pro Jahr drei Vögel. Hört sich schon etwas anders an und gibt Bilder von regelrechten Friedhöfen mit hunderten toter Tiere nicht her. Hier gibt es also entweder Sondereffekte – ein Schwarm Zugvögel könnte in ein Windrad geflogen sein – oder es sind gestellte Bilder. Denn bei drei Vögeln pro Jahr ist die Wahrscheinlichkeit, gleich zwei Vogelleichen auf einem Bild zu haben, gering. Zwischen zwei Todesfällen sollten Katzen, Marder, Ratten, Insekten oder Krähen längst „aufgeräumt haben“. Überdies – ja, das ist Whataboutism aber manchmal ist es auch ganz gut, eine Zahl in Relation zu setzen – kosten allein Fensterscheiben rund 100-115 Millionen Vogelleben im Jahr in Deutschland. Der Verkehr tötet 70 Millionen und Hauskatzen schlagen mit 20-100 Millionen Toten zu Buche. Sogar die Jagd ist mit 1,2 Millionen Opfern zehnmal so tödlich für Vögel, wie Windräder. (Zahlen des NABU, http://www.nabu.de) Die Zahl ist also erst einmal hoch, ist aber in Relation zu anderen Faktoren für die Population unbedeutend. Zumal Lebensraumverlust, Giftstoffe und so weiter noch oben drauf kommen. Für eine kritische Energieinfrastruktur ist dieser Wert also durchaus zu verschmerzen.

Kohle oder Öl sind nicht besser

Noch wichtiger als diese Relationen ist aber, dass auch andere Formen der Energieerzeugung Schäden verursachen. Nehmen wir die Kohle, bisher das Rückgrat unserer Energiewirtschaft. Da gibt es dann gleich mehrere Faktoren, mit denen das Leben von Vögeln beeinflusst wird. Einerseits massiver Lebensraumverlust wie in Gartzweiler oder den Abbaugebieten in der Lausitz. Gegenden, die seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden durch Landwirtschaft oder Waldgebiete geprägt waren und Millionen Vögel beheimatet haben, werden zu Mondlandschaften. Teilweise bis 210 Meter Tiefe wird hier ein Loch gegraben. Selbst wenn dieses einmal zu einem See wird – was noch einige hundert Jahre dauern wird, so gigantisch ist es – sind hier die Möglichkeiten für Vögel eher gering. Wären es flache Seen mit der ein oder anderen Insel: Es könnte ein tolle Habitat werden. Ein Süßwassermeer mitten in der Landschaft aber weniger. Also gehen hier – nicht nur aber auch – für Vögel wichtige und wertvolle Habitate verloren. Auch für bedrohte Arten wie Kiebitz oder ähnliche. Überdies haben Vögel sehr leistungsfähige Lungen, die viel Luft aufnehmen, um auch in großen Höhen und bei hohen Geschwindigkeiten genug Sauerstoff für das sehr energieaufwendige Fliegen aufzunehmen. Ich habe leider keine Zahlen dazu gefunden (vielleicht gibt es nicht einmal entsprechende Untersuchungen), würde es aber als fast sicher annehmen, dass die Zahl der Opfer im Vogelreich allein durch Ruß und Feinstaub aus Kohlekraftwerken mindestens so hoch ist, wie durch Windräder. Hinzu kommen andere Umweltgifte. Hierzu ganz interessante bis erschreckende Zahlen des NABU. In einem Artikel auf der Homepage der Organisation („Schmutzige Kohle“) schreibt Autor Hartmut Netz die Emissionen allein des Kraftwerks Neurath, des größten in Deutschland, hätten im „Jahre 2012 unter anderem fast 500 Kilo Quecksilber, 400 Tonnen Feinstaub und rund 31 Millionen Tonnen CO2“ betragen. Dazu kann sich dann jeder selbst ein Bild machen. Umweltschäden durch den Tagebau selbst kommen hinzu. Derselbe Artikel stellt beispielsweise dar, dass beim Tagebau unter anderen Pyrit in großer Menge freigelegt werde. Das zerfällt in Schwefeldioxd und Eisenoxyd (also Rost) und die werden beim Fluten der Tagebaue weggespült und sorgen für unterschiedliche Umweltschäden. Oben drauf kommt dann das CO2, das die Klimakatastrophe befeuert. Aber, und das ist der Witz: Selbst wenn wir diese sekundären Schäden rauslassen, sind die Schäden durch Kohlestrom eben deutlich höher, als die durch Windkraft. Und auch andere Arten der Stromerzeugung – Atom, Gas oder Öl – haben ihre Kosten. Nur ist hier oft die Struktur eine andere (z.B. Atom: Ewigkeitskosten für Lagerung und hohe Risiken mit Kosten im Billionenbereich im Falle eines GAUs), oder sie fallen im Ausland an (z.B. Ölschäden in den Ländern, in denen gefördert wird).

Zurück zum Foto: Betonsockel eine Katastrophe?!

Aber zurück zum oben beschriebenen Bild. Der Betonsockel einer Windkraftanlage kann groß sein. Natürlich hängt er von der Größe der Anlage ab, aber nehmen wir mal die E-126 von Enercon. Für die Dinger habe ich gefunden, dass der Sockel bis zu 30 Meter Durchmesser habe und vier Meter tief sei. Die Versiegelte Fläche beträgt also Pi*15² also satte 706 Quadratmeter. Das ist sicherlich eine nennenswerte Fläche. Darauf werden dann – natürlich abhängig von den Windverhältnissen – nominal 7,6 MW Energie erzeugt. Will ich nun beispielsweise ein großes Kohlekraftwerk wie Neuenrath (an Gartzweiler) mit einer Nennleistung von 4400 MW durch Windkraftanlagen vom oben genannten Typ ersetzen, dann käme ich auf rund 579 Windräder und damit auf eine Fläche von 706m²*579. Das macht 408.774 Quadratmeter. Das sind also rund 40,9 Hektar. Sicher viel Fläche. Aber nun schauen wir uns das erwähnte Kraftwerk Neunrath an. Offizielle Zahlen zur überbauten Fläche habe ich in der Tat nicht gefunden. Aber in der heutigen Zeit hilft das Internet bei vielen Problemen und so haben wir (Dank an meine Freundin, die hier geholfen hat) mal die Seite des Landesamts für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV), also einer durchaus vertrauenswürdigen Seite, angesehen. Hier haben wir dann die auf der Seite angebotenen Tools genutzt, um die Fläche des Kraftwerks überschlagweise zu vermessen. (siehe Bild) Für die kleine „Beule“ im Norden haben wir eine größere Ecke im Osten aus dem Gebiet rausgelassen und kommen auf eine Gesamtfläche von 1,6 Quadratkilometern. Nun hat ein Quadratkilometer bekanntlich 100 Hektar. Heißt: Allein das Kraftwerk selbst verbraucht rund 160 Hektar versiegelte Fläche. Also ungefähr viermal so viel wie die gleiche Nennleistung in Onshore-Windkraftanlagen.

Oben: Das Kraftwerk Neurath in seinen Ausmessungen: Quelle: Screenshot https://www.energieatlas.nrw.de/site/planungskarten/rheinisches_revier

Gesamtbilanz: Beeindruckende Bilder ohne Aussage

Rechnen wir also zusammen: Natürlich verbraucht eine Windkraftanlage Fläche. Es gibt schlicht keine Art der Energieerzeugung, die gänzlich ohne Umweltschäden in irgend einer Form auskommt. Es kommt aber darauf an, hier Kosten und Nutzen zu optimieren. Und da fällt die Bilanz des Windrades rundherum positiv aus. Schon im reinen Vergleich mit dem Kraftwerk selbst ist die Flächen- und vermutlich auch die Bilanz des Rohstoffeinsatzes zum Bau – eines Windparks gleicher Nennleistung nicht schlechter, als die eines Kohlekraftwerks. Die versiegelte Fläche ist insgesamt eher geringer, die Betonaufbauten für die Türme kosten sicher viel „graue Energie“, aber das gilt in ähnlichem Maße auch für Kohlekraftwerke mit ihren Kühltürmen und Schornsteinen. Und auch Atomkraftwerke oder andere Meiler bringen solche Probleme mit sich. Die Fundamente eines Millionen Tonnen schweren Kraftwerks dürften auch nicht eben dünner sein, als die einer Windkraftanlage und der Rückbau ähnlich gut oder schlecht möglich. Das Argument „das bleibt für ewig im Boden“, wie es bei besagtem Bild beschrieben ist, verfängt also auch nicht. Zumindest nicht im Quervergleich. Die Schäden für die Vogelwelt dürften für ein Kraftwerk, das Staub und Ruß erzeugt, sogar unmittelbar nicht geringer sein. Und das alles bezieht die gigantischen Umweltschäden durch den Tagebau, die restlose Zerstörung ganzer Ökosysteme und die Freisetzung von Giftstoffen, noch gar nicht mit ein. Und schließlich kommt der größte Hammer am Ende: Die Klimabilanz. Dass wir hier ein großes Problem haben, hat sich eigentlich außerhalb der AfD und ihrer Wähler fast überall herumgesprochen. Hier hat das Windrad aber meilenweit die Nase vorn. Die Bilanz zwischen Windpark und Kohlekraftwerk im Betrieb lautet 0 zu 31 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Ja, whataboutsm – Trotzdem noch ein wenig Relation

Und dann wollen wir, einfach spaßeshalber, noch einmal ein paar Vergleiche aufstellen. Gehen wir einmal davon aus, dass wir den gesamten Stromverbrauch in Deutschland mit Onshore-Winkraftanlagen des oben genannten Typs mit 7,6 MW Nennleistung decken wollten. Lassen wir für einen Moment einmal raus, dass Wind nicht immer und überall weht und auch, dass wir die passenden Flächen erst einmal haben müssen. Es geht ja hier um den Flächenverbrauch einer Winkraftanlage, nicht die praktische Umsetzbarkeit. Also: Deutschland hat im Jahr 2020 ungefähr 545 TWh Energie verbraucht (Quelle: Statista). Rechnen wir mal, dass ein Windrad rund 50 Prozent der Zeit läuft. Ansonsten ist der Wind zu stark oder zu schwach. Dann läuft es 4.380 Stunden im Jahr. Nun gehen wir weiter davon aus, dass der Wind meist zu schwach für die optimale Ausbeute ist. Also nehmen wir noch einmal einen Abschlag von 50 Prozent und runden, um es einfacher rechnen zu können auf: Aus 7,6 MW Nennleistung machen wir 4 MW Durchschnittsleistung (die wie gesagt in der Hälfte der Zeit erbracht wird). Ein Windrad kommt also auf einen Jahresertrag von rund 16 GWh (4MWx4380h). Teilen wir nun den gesamten Deutschen Strombedarf des Jahres 2020 durch diese Zahl, dann kommen wir auf eine Zahl von gut 34.000 (genau 34.063) Windrädern dieses modernen Typs, die wir bräuchten, um rein rechnerisch die gesamte Energie Deutschlands nur über Wind zu decken. (Da wir ja noch PV, Wasserkraft etc. haben ist das gar nicht nötig. Aber es geht hier nur um eine Größenordnung für einen Vergleich). Also weiter: 34.000 Windräder (in der Tat haben wir heute, wie oben zu lesen, schon rund 29.000 Anlagen. Würde man diese Zahl und ihren Anteil am Strommix hochrechnen käme man auf ungefähr 150.000 benötigte Windräder. Das dürfte aber an unterschiedlichen Typen und veralteten oder schlicht kleineren Anlagen liegen. Die haben dann oft auch eine weit geringere Grundfläche. Darum rechne ich dennoch mit dem Wert der oben aufgeführten Anlage weiter), die eine Fläche von je 706 Quadratmetern brauchen, bedeuten eine Fläche von 24 Millionen Quadratmetern. Das sind also 24 Quadratkilometer. Heißt: Könnte man sie dicht an dich stellen und bräuchten sie keine Bewegungsfreiheit für die Rotoren, so bräuchten die Windräder um ganz Deutschland rechnerisch mit Strom zu versorgen, eine Fläche von fünf mal fünf Kilometern. Hört sich erst einmal viel an. Aber jetzt schauen wir mal, was das im Flächenverbrauch bedeutet: Die gesamte Deutsche Siedlungsfläche beträgt inklusive Verkehr 51.693 Quadratkilometer (Quelle: Statista). Heißt: Windräder für die gesamte Deutsche Stromproduktion würden nur 0,046 Prozent der in Deutschland versiegelten Fläche ausmachen. Oder ein anderer Wert: Aktuell laufen in Deutschland 130 Kohlekraftwerke. Das vorhin herangezogene Kraftwerk Neurath ist davon das Größte. Also sagen wir mal – um uns die Rechnung leicht zu machen – das durchschnittliche Kraftwerk hat statt einer Fläche von 1,6 Quadratkilometern nur eine von einem Quadratkilometer. Das heißt: die Deutschen Kohlekraftwerke allein versiegeln eine Fläche von 130 Quadratkilometer. Sie sind aber nur für 32 Prozent der in Deutschland erzeugen Energie verantwortlich. Wollten wir nur mit Kohle unsere Energie bekommen, wir müssten also gut das dreifache überbauen. Hieße dann: 390 Quadratkilometer (also mehr als das 16-fache der Zahl bei Windenergie) – nur für die Kraftwerke. Die Tagebaue kämen oben drauf. Ebenso wie die Klimaschäden, ausgestoßene Giftstoffe bis hin zu Schwermetallen, Ausschwemmungen aus Tagebauen und so weiter.

Fotos sind eindrucksvoll – und mit Vorsicht zu genießen

Und so kommen wir am Ende zu dem Schluss: Bilder können eindrucksvoll sein. Sie scheinen unumstößliche Wahrheiten zu verkünden. Aber diese lösen sich bei genauerer Betrachtung oft in Wohlgefallen auf. Mal, indem wir den Ausschnitt des Fotos verändern, mal, indem wir es auf seinen Wahrheitsgehalt oder seine Relevanz untersuchen und mal ganz einfach, weil die scheinbare Wucht im Vergleich eben doch recht überschaubar ist. Gerade, wenn wir in Dingen wie der Wirtschaft eines ganzen Landes denken, relativieren sich scheinbare Größenskalen schon gewaltig. Windkraft ist nicht ganz ohne Schäden. Die Versiegelung existiert. Und die Vögel sterben. Daran gibt es nichts zu beschönigen. Aber die Alternativen wie beispielsweise die Kohle sind in jeder einzelnen dieser Kategorien schlechter. UND sie verursachen Schäden für das Klima. Dass Kohlestrom überdies in der Erzeugung schon heute teurer ist, als Windstrom (ein Effekt, der mit steigenden Preisen für die Kohle selbst ohne CO2-Abgaben eher größer als kleiner wird) und bei Windkraft weit größere Verbesserungspotentiale in der Technologie liegen dürften, weil sei eben noch längst nicht so lang am Markt ist, runden die Betrachtung ab. Am Ende müssten wir uns die Person auf dem Bild eben doch neben einem Kohlekraftwerk vorstellen. Und wenn das nicht reicht: Mitten im Tagebau Gartzweiler, einen Tagesmarsch vom Rand des Loches entfernt…

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